Wednesday, May 1, 2013

Mein Alltag und Jiuquan



Jiuquan ist mit ca. 900.000 Einwohnern eine der zahlreichen „Dörfer“ Chinas, zumindest werden die Dimensionen von den Chinesen etwas anders verstanden. Mir kommt es dahingegen alles andere als wie ein Dorf vor.
Im Groben lässt sie sich in die „Neustadt“ , in die „Altstadt“ und alles drum herum einteilen.
Die Altstadt bildet gleichzeitig mit dem größten Krankenhaus, der besten Senior High-School, dem alten Stadttor und einige Hotels das Stadtzentrum. Hier lebe auch ich; im vierten Stock eines Wohnblocks. (Außer mir wohnen in den Wohnungen hier vor allem Senioren und Lehrer.)
Der rasche Aufbau der „Neustadt“ vermag es aber wahrscheinlich, das Stadtzentrum in den nächsten Jahren wahrscheinlich zu ändern. Meine jetzige Schule wird zum neuen Schuljahr dorthin umziehen und das Regierungsgebäude hat auch schon ihren Platz dort gefunden. Es ist die bessere Gegend Jiuquans.
Wie geschrieben, ich wohne im vierten Stock in einem etwas tristen Wohnblock. Von meiner Küche aus habe ich freie Sicht auf meine Schule, sofern die frühjährlichen Sandstürme es zulassen. Trotzdem führt mich mein Schulweg leider nicht auf direktem Weg zum Ziel.
Wenn ich aus dem Treppenhaus heraus gehe, trete ich auf eine große Baustelle. Dort wo vergangenen Herbst das alte Schulgebäude abgerissen wurde (direkt neben meiner jetzigen Schule), gehen nun die Bauarbeiten weiter. Das darf man nicht nur tags- und nachtsüber sehen und hören, sondern auch daran festellen, dass auch schon versehentlich die Wasserleitungen getroffen wurden.
An der Baustelle vorbei, zur Hauptstraße sind es zwei Minuten. Gehe ich die in wenigen Minuten runter, komme ich zum alten Stadttor, wo eine grosse Einkaufspassage aufgebaut wurde: Kleider, Schmuck, Kosmetik, ein Bäcker, ein großer Lebensmittelmarkt und zwei Fast-Food-Restaurants (KFC und das chinesischen Pondon). Dort bekommt man alles was man für das tägliche Leben braucht – auch ohne viel chinesisch zu sprechen. Doch weitaus spannender und mitunter günstiger wird es, wenn man sich an die Strassenmaerkte hält. Wie wahrscheinlich in ganz China gibt es in fast jeder größeren Gasse Stände mit diversen Früchten und Obst, alles in Sachen Fleisch und Fisch, sowie Gewürze, Nudelteig zum selber kochen und einige fertige Mahlzeiten. Außerdem bietet Jiuquan in unmittelbarer Nähe zu meinem Apartment einen überdimensionalen, zwei-stoeckigen „Trödelmarkt“. Hier findet man alles was man brauchen könnte. Neben den alltäglichen Dingen, wie Schraubenzieher, Taschen, Steckdosenleisten, Silikon, Pvc-Rohre, Duschköpfe, Kloschüsseln, Kugelschreiber etc. kann man hier auch Heizdecken, Weihnachtsdeko und ähnliche Saisonangebote finden. Hier ist man allerdings mit Handeln gut beraten – und vor allem als deutlich erkennbarer Ausländer ist einem das auch dringend empfohlen.
Über diese Märkte zu wandern, sich das Angebot anzugucken, sein Mittagessen einzukaufen, die Gerüche einzufangen und zu handeln macht mir fast am meisten Spaß und ist auch regelmäßiger Bestandteil meines Alltags.

Den größeren Teil meines Alltags nimmt aber natürlich das Unterrichten. Ich habe 14 Stunden in der Woche plus einer sog. „English-Corner“ in der ich mittlerweile den besten Schülern Grammatik beibringe und mit Fehler anderer Lehrer aufräume. Je nach Wochentag habe ich zwischen vier und einer Unterrichtsstunde pro Tag. (Die Chinesischen Kollegen haben zwischen fünf und acht Wochenstunden.) Meine erste Stunde beginnt in der Regel um 10:25. Mein Tag beginnt aber um 07:00 Uhr im Fitnessstudio. Von 12:00 Uhr bis 15:00 Uhr gibt es eine Mittagspause, die ich zusammen mit meinem Essen bei einem englischen Nachrichtensender oder über einem Buch verbringe. Um 18:00 Uhr ist mein Arbeitstag spätestens geschafft und ich gehe noch einmal ins Fitnessstudio um meinem körperlichen Ausgleich gerecht zu werden.
(Der Alltag der Schüler sieht weitaus strenger aus, als der jedes Lehrers. Wenn ich um 07:00 Uhr aufstehe, brennt in den Klassenräumen schon das Licht. Und wenn ich um 18:00 Uhr Schluss habe, haben die Schüler meiner Schule noch ca. drei Stunden Hausaufgaben und lernen vor sich. An den Senior-High-Schools geht der Unterricht teilweise bis 22:30 plus einigen Unterrichtsstunden am Samstagmorgen und Sonntagabend.)
Wie ich in einem meiner ersten Berichte schon mal geschrieben hatte, unterrichte ich die achte und neunte Klassenstufe. Das Englischlevel ist von Klasse zu Klasse sehr unterschiedlich. Ich merke, es kommt sehr darauf an, welche/n Lehrer/in die Klassen haben. Außerdem werden die Schüler innerhalb des Jahrgangs auch nach Noten in verschiedene Klassen eingestuft. So kommt es natürlich zu extremen Unterschieden zwischen den Schülern.
Meine Projektarbeit als Englischlehrer trägt auch deswegen kaum Früchte. Dafür aber umso mehr meine Anwesenheit als Ausländer. Die Tatsache, dass ich einiges anders handhabe, als ihre bisherigen Lehrer; andere Themen bearbeite und die bloße Tatsache, dass ich als Europäer in China lebe hat auf einige großen Einfluss. Und nicht nur in der Schule sondern auch auf der Straße, wo mich immer wieder vor allem ältere Herrschaften anstarren und nach mir umdrehen ist eine neue Erfahrung für beide Seiten.

Seit einigen Wochen bin ich nun also wieder zurück an meiner Projektstelle und unterrichte. Bevor ich in das zweite Semester gestartet bin habe ich mir einige Ziele für dieses Halbjahr gesetzt. Speziell möchte ich strenger und konsequenter den Schülern gegenüberstehen. Diese Linie zu fahren hat mich bisweilen Kraft gekostet und nun nach genügend Zeit der Umstellung finde ich mich immer noch jede Woche mit mindestens vier Handys und einigen Strafarbeiten wieder. Das große Problem ist und bleibt eine eindeutige Verständigung. Warum bestimmte Dinge gehen und andere wiederum nicht; welchen Ursprung es hatte, dass ich eine Strafarbeit verteile; oder welche Aufgabe meine Regeln haben bzw. überhaupt ihr Verständnis ist nach langem Erklären leider immer noch nicht allen klar. Dennoch macht es den Eindruck, dass es langsam in eine Richtung geht, die ich anstrebte – und auch mit Spaß am Unterricht.
Einige Wochen bin ich nun schon wieder am Unterrichten und einige Woche bleiben mir nur noch. Neun Monate ist es her, dass ich mich in ein so fremdes und weit entferntes Land aufgemacht habe und in zweien werde ich es wieder verlassen. Langsam geht es dem Ende zu – wohl mit einem traurigen aber auch mit einem lächelndem Auge. Ich bin gespannt, was mich in Deutschland erwartet; wie ich mit all den neuen Eindrücken umgehen werde, wie sie mich verändert haben und welche mir nachdrücklich in Erinnerung bleiben. 







Saturday, March 2, 2013

Einmal quer durch China und wieder zurueck

22.01. Jiuquan – Lanzhou (Zug 9h, 07:12 – 16:00)
(„Grosse Weisse Pagode“, buddhistischer Tempel)
23.01. Lanzhou – Xian (Zug 10h, 22:48 – 09:00)
24.01. Xi’an, Guide – Stadtmauer, Terracotta Armee
25.01. Xi’an, Xi’an Museum, Park
25.01. Xi’an – Shanghai (Zug 18h, 20:02 – 14:00)
26.01. Shanghai Guide (Jadebuddah Tempel, Yuyuan Garten und Basar, Bund)
27.01. Shanghai Guide (Tower, Franzoesiches Viertel, Shanghai Museum)
28.01. Shanghai (Hangzhou, Akrobatik Show)
29.01. Shanghai (wandern durch Shanghais Stadtrand, East Nanjing Road, Essen mit den
              anderen Volontaeren)
30.01. Shanghai (Klaus ist zurueck)
01.02. Shanghai mit den anderen Volontaeren, Club
02.02. Shanghai auf der Suche nach Tickets, Club
03.02. Shanghai – Hangzhou (Zug 1,5h, 14:14 – 15:45)
Hangzhou – Taiping (Anhui) (Bus 3,5h, 17:00 – 20:30)
03.02. Taiping Altstadt
04.02. Bergsteigen auf den Huangshan (6 h)
04.-05.02. uebernachten auf dem gelben Berg Huangshan
05.02. Runter vom Hangshan (3 h)
06.02. Huangzhou – Guangzhou (Flug 2h, 22:55 - 01:00)
07.02. Guanzhou – Xuwen (Guangdong) (Bus 8h, 13:00 – 21:00)
Xuwen – Haikou (Faehre 2h, 21:30 - 23:30 )
07.02. – 08.02. Haikou Hostel
08.02. Haikou – Sanya (Zug 2,5h 14:00 – 16:30)
08.02. Sanya Beach Party mit anderen Foreigners
09.02. Sanya Chinese New year
10.02. Sanya
11.02. Sanya Regenwald
12.02. Sanya – Haikou (Zug 2,5h, 13:00 – 15:30)
Haikou – Xuwen (Faehre 2h, 21:30 – 00:30)
Xuwen – Nanning (Bus 7h, 00:00 – 07:00)
13.02. Nanning – Kunming (Zug 13h, 09:55 – 23:00 )
14.02. Kunming – Reisterrassen (Bus 8h, 14:00 – 22:00 )
15.02. zurueck nach Kunming (Bus 12h, 15:30 – 02:30)
16.02. Kunming – Lijiang (Bus 8,5h, 11:20 – 19:50)
17.02. Lijiang – Schlucht (Bus 2h, 08:50 – 10:50)
17.02. 6 stunden wandern, bewoelkt, niesel, half way uebernachtet
18.02. 2 Stunden bei Regen andern + wasserfall 1,5 stunden
Zurueck nach Lijiang (Bus 2,5h, 15:30 – 18:00), Abend alstadt von Lijiang
19.02. morgens zurueck nach Kunming (Bus 8,5h, 08:30 – 17:00)
20.02. Kunming – Lanzhou (Flug 2,75h, 11:30 – 14:15)
Lanzhou – Jiuquan (Zug 10h, 21:33 - 7:30)
21.02.morgens um 08:00 Uhr in der Wohnung 
A.        Jiuquan, Gansu, China
B.        Lanzhou, China
C.        Xian, China
D.       Shanghai, China
E.        Hangzhou, China
F.        Ping Hu Xi Lu, Huangshan, Anhui, China
G.       Guangzhou, China
H.        Haikou, Hainan, China
I.          Sanya, Hainan, China
J.         Nanning, Guangxi, China
K.        Kunming, China
L.        Yuanyang, Yunnan, China
M.      Kunming, China
N.       Lijiang, Yunnan, China
O.       Kunming, China
P.        Lanzhou, China
Q.       Jiuquan, Gansu, China
 
Google: 146 Stunden
          11.050 km
Einmal quer durch China und wieder zurueck.
Seid einigen Tagen bin ich wieder zurueck in meiner bescheidenen Kleinstadt. – Zurueck von einer langen Reise in andere Welten.
Anfang Januar mit den Halbjahresklausuren unserer Schueler fingen fuer uns die Ferien an. Nach einem Seminar ueber die bisher gewonnen Eindruecke, den Umgang mit ihnen und eine erste Einfuehrung in das Thema “Rueckkehr“ macht wir Freiwilligen uns auf in die verschiedenste Ecken Chinas. Ich suchte mir meinen Weg in mein ueberschaubares Jiuquan zurueck, um dort wenige Tage spaeter meinen Besuch in Empfang nehmen zu koennen. Klaus Eiben, ein enger Freund der Familie kam mich besuchen. Zusammen verbrachten wir einige Zeit in Jiuquan. Ich konnte ihm etwas von meinem und dem laendliche Leben in China zeigen, bevor es anschliessend mit zwei Zwischenstops nach Shanghai ging.
Am 22.01. fuhren wir dann mit dem Zug nach Lanzhou, der Hauptstadt meiner Provinz Gansu. Ein Tag sollte uns dort reichen. Nicht nur meine bisherigen Erfahrungen, sondern auch einige Reisfuehrer hatten keine grossen Empfehlungen fuer Lanzhou parat. Mit atemraubend viel Verkehr und der resultierenden Luftvermutzung wirkt die Stadt das ganze Jahr ueber trist und wenig einladend. Auch der „Gelbe Fluss“ hoert sich farbenfroher an, als er tatsaechlich durch Schlamm und Muell gewoehnlich braun gefaerbt ist. Ein Aufstieg auf den „Huegel der weissen Pagoden“ und ein Tempelbesuch sollte es gewesen sein. Zugegebenermassen spielte uns die Kaelte auch nicht unbedingt in die Karten. So machten wir uns am naechsten Tag mit dem Nachtzug nach Xi’an auf. Einer „mit acht Millionen Einwohnern eher kleinen Stadt“, wie uns unsere Taxifahrer erzaehlte. Dort wurden wir zu erst von einem Guide ueber die alten Stadtmauern gefuehrt, die uns in Bezug auf die „Kleinstadt“ Xian aehnliches wiederholte. Dann besuchten wir die beruehmte Terracotta Armee. Ein ueberdemensionales Kunstwerk, dass in der Realitaet nicht minder beeindruckend ist! Heute kann man eine Auswahl an restaurierten einfachen Soldaten, Bogenschuetzen, Kung-Fu Kaempfer, Kavelleristen mit Pferden und Generaelen verschiedenen Ranges besichtigen. Waehrend man durch die drei zugaenglichen Gruben wandert und nach und nach mehr ueber die Enstehung erfaehrt, kommt man aus dem Staunen kaum raus. Auch wenn die Statuen zu meist sehr unproportional sind, kann man sich leicht von ihren Detailgetreutheit faszienieren lassen. Es scheint ihnen an nichts zu fehlen: verschiedene Frisuren und Baerte, in denen man beinahe die einzelnen Haare zaehlen koennte, sogar die Linien in der Handinnenflaeche wurden beruecksichtigt. Ueberdies aehnelt angeblich kein Soldat einem anderen. An der Frisur und den Schuhen kann man ausserdem ihren Rang ablesen. – Und alle standen einmal vor mehr als 2000 Jahren(!) auf ihren „eigenen Fuessen“.
Allerdings hatte all das einen brutalen Hintergrund. Die Sklaven, die jene Armee erichtet hatten, erfuhren harte Strafen und nicht selten die Todesstrafe, wenn dem Kaiser eine Statue nicht gefiel.
Qin Shi Huang (246 – 221 BC), der erste Kaiser Chinas, in seiner Grabstaette ein Abbild des irdischen Lebens aus Ton nachstellen. Nicht nur Streitkraefte sondern auch andere Diener und sogar Tiere wurden aus Ton gebrannt, die an verschiedenen Ausgrabungen in dem Killometer grossen Gebiet sukzessiv zum Vorschein kommen.
Schwer war es, diese Eindrueck noch zu toppen.
Abends gingen wir durch das Muslimischen Viertel und seinen Basar. Ein wirklich lohnenswertes Erlebnis und auf seine Weise auch typisch fuer China. Viele kleine Strassenlaeden, die eine breite Auswahl an Dingen verkauften (, die anscheinend auch alle einen Kaeufer fanden). Aber auch einiges Ansehnliches, bei denen wir zu handeln begannen.
Am naechsten Tag gingen wir auf eigene Faust los. Etwas ab von unserem Hotel lag das Xi’an Museum und eine Park-Anlage mit Wasserspielen. Bei strahlender Sonne und angenhemen Temperaturen konnten wir den so Tag nutzen, ihn in aller Gelassenheit zu geniessen, bevor es abends mit dem Zug zum letzten gemeinsamen Reiseziel gehen sollte.
Nach einer langen, interessanten Fahrt stiegen wir schliesslich am naechsten Nachmittag in Shanghai aus. Als keineswegs besonders empfand ich das Ankommen in dieser Metropole, an die ich hohe Erwartungen hatte. Aber es war mir auch recht so. Nach 18 Stunden des Zugfahrens war ich mit wenig pompoesen Eindruecken und einem schnellen Einchecken ins Hotel gut bedient. Lange Duschen, ein unbeschreiblich gutes Essen im Hotel und das komfortable Bett taten ihre Dienste fuer den Abend.
Fuer die naechsten beiden Tag hatten wir uns einen Guide gebucht. Eine erzaehlfreudige junge Frau mit Zahnspange und Brille hatte sich der nicht ganz einfach Aufgabe angenommen, uns Shanghai von seiner besten Seite zu praesentieren. Wie wir allerdings festellten, hatte weder unser Guide eine besondere Begabung dafuer, noch, was weitaus enttaeuschender war, Shanghai als Stadt viel zu bieten.
Der erste Tag begann mit einem Besuch im „Jadebuddha Tempel“. Ein weiterer Tempel mit einer besonderen Attraktion in Form eines 1,90 m hohen, blassgruenen Jadebuddhas. Ein weiterer Tempel in dem man als Besucher nicht auffiel. Wir gingen, gefuehrt von unsererem Guide, an den zahlreich betenden Besuchern vorbei, als sei es alltaeglich und allen Anschein nach auch war. Etwas merkwurdig kam es uns dennoch vor, wie all die Glaeubigen sich ihre Ruhe nehmen konnten, bei einem derart grossen Aufgebot an Menschen und einem daraus resultierendem Geraeuschpegel. Es war aber auch ein weiterer Tempel, genau wie der in Peking vor einigen Monaten, und vor wenigen Tagen in Lanzhou.
(Die buddhistischen Tempel sind nicht uninteressant. Ganz im Gegenteil! Es ist lohnenswert sich einmal bei Gelegenheit einen solchen anzusehen und sich auch genug Zeit fuer all ihre Details zu nehmen. Doch wuerde ich bahupten, reicht es aus, einen in China gesehen zu haben.)
Anschliessend wurden wir in den Yuyuan-Garten gefuehrt. Auch wenn es hier, wie ueberall anders in Shanghai, von Menschen ueberlaufen war, war es rueckbetrachtend der einzige Ort, den ich unter Chinesischer Kultur in Shanghai abbuchen kann. Dennoch war es ein erstaunlicher Ort in vielerlei Hinsicht. Neben der auffallend, fast schon idyllischen Ruhe, trotz unmittelbarer Stadtnaehe, stach vor allem die Symbolik in der Chinesischen Architektur in den Erklaerungen underes Guides immer wieder hervor. Diese Bauart und jene Konsturktion, gleichsam wie dieser Bogen und die Ausrichtung der Tueren, hatte ihre eigene Bedeutung und sollte in der Regel immer Glueck bringen. Eine penibel, anstrengende Arbeit musste der Bau dieses Gartens gewesen sein. Aber er ist ein gutes Bespiel fuer Chinas Traditionelle Baukunst und gar das ganze chinesische Leben, das eben einfach ueberall nach Glueck sucht.
Nach einer kurzen Pause lautete unser naechstes Ziel „Der Bund“. Die Gegend um den Bund ist das touritische Zentrum Shanghais und die bekannteste Meile der Stadt. Sie liegt direkt am Huangpu Fluss und ist bei schoenem Wetter einen ausgiebigen Spaziergang wert. Doch nicht so sehr fuer einen gelassenen Spaziergang auf der Promenade, als viel mehr fuer seine Finanzsektor, die teuren Geschaeften, Restaurants, Hotels und den vielen Wolkenkratzern, die sich gegenseitig in den Schatten stellen (im wahrsten Sinne des Wortes), ist die futuristische Meile bekannt.
Am Folgetag gestattete uns das Wetter einen Blick auf die ganze Metropole aus dem 88. Stock eines, der archtitektonisch einzigartigen Hochhaeuser. In besonderer Einzigartigkeit zeigte sich der TV-Tower von Shanghai, den ein jeder wahrschinelich schon einmal im Fernsehen oder auf Bildern gesehen hat. Diesen eintoenig grauen Beton-Riese mit seinen drei wein-roetlich glaenzenden Kugeln in Realitaet zu sehen, zeichnete ein nachhaltiges Bild in unseren Koepfen.
Nach den ernuechternden ersten Eindruecken konnte das „Franzoesiche Viertel“ nur noch wenig retten. Es war durchaus eine ansehnliche Community von kleinen Haeusern und Boutiquen, die etwas fuer sich selber stand, doch hatte ich auch hier groesseres erwartet. Ein aufraeumender Abschluss, der die beiden vorigen Tage in seiner Enttaeuschung in nichts nachstand, war das „Shanghai Museum“.
Um der schnelllebigen Stadt zu entfliehen, fuhren wir am naechsten Tag mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Hangzhou. Nach anfaenglichem Regen klarte es schnell wieder auf, so dass wir die Seenlandschaft geniessen konnten. Angenehm ruhig war vor allem die Insel Xiaoying. Eine Insel in Mitten des grossen Sees, welche seiner zahlreichen Bruecken wegen angepriesen wird.
Fuer den Abend hatten wir eine von Shanghais Akrobatik Shows auf dem Plan. Ganz anders als alles das, was Shanghai bisher bot, konnte dieser Abend mehr als nur ueberzeugen. Musikalisch wie natuerlich vor allem akrobatisch versetzte und liess einen ein Auftritt nach dem naechsten in Staunen ohne ueberhaupt Moeglichkeit zu lassen, zu verdauen. Die Akrobaten sprangen und warfen sich gegenseitig durch die Luft, verbogen sich auf unnatuerlichste Weise, balancierten Gegenstaende und sich auf verschiedenen Geraeten und fuhren schlussendlich zu acht in einer eigentlich viel zu kleinen Kugel aus Stahl. Es war einmalig.
Wir hatten somit soweit alles gesehen, was wir uns vorgenommen hatten und liessen den die letzten Tag ruhig angehen. Wir wanderten durch einige Starssen Shanghais Stadtraender und liefen ueber die East Nanjing Road. Eine oder vielmehr „Die“ Einkaufspassage im Zentrum der Metropole, die alles vorstellbare anpries und jeden potenziell willigen Konsumer innerhalb weniger Sekunden zum Kauf ueberredet haette. Schoen zu sehen, was es alles zu kaufen gibt und noch schoener zu sehen, womit man doch tatsaechlich alles ohne auskommt. Zusammen mit drei Freunden und Mitvolontaeren aus Jiuquan liessen wir den Abend bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Sie waren einen Tag vorher in Shanghai angekommen. Nachdem Klaus am naechsten Tag wieder nach Deutschland flog, schloss ich mich ihnen an und wir reisten zusammen weiter.
Nach all den Enttaeschungen, die Shanghai fuer mich bot, machte das Nachtleben alles wieder wett. Zu dritt machten wir uns auf, unsere Tanzdefizit von knapp fuenf Monaten entgegenzuwirken. Sichtlich planlos mussten wir ausgesehen haben, als wir durch die Strassen am Bund wanderten und vor einem Hochhaus stehen blieben, als von einer jungen Dame im vorbeigehen rein gebeten wurden. An den Tuerstehen und der Gaesteliste vorbei wurden wir direkt zum „Laowai-Tisch“ gebeten („Laowai“ – chin. fuer Auslaender). Zusammen standen wir dort mit mehreren anderen Nationen, die bereits sichtlich angetan von der Gastfreundschaft in Form von spendiertem Alkohol der Chinesen waren. Und los ging es: Gute Musik und tanzen – und das im sechsten Stock dierkt an der Promenade mit Dachterasse und vielen „Laoweis“ – das hatte gefehlt!
Aber nicht nur das ersehnte Tanzen war befreiend, die unzaehlbaren Europaeer und Amerikaner, die man in den Hostels vorher und auf der Party kennen lernte, waren eine willkommende und interessante Abwechslung. Menschen mit den unterschiedlichsten Geschichten. Menschen, die in vier Monaten ueber Land von Belgien bis China gereist waren und es noch weiter zog. Andere, die ihre Ausbildung oder ihr Studium gerade abgeschlossen hatten, aber in China bessere Chancen in komplett anderen Arbeitsfeldern sahen. Selten habe ich so offene und nette Menschen kennen gelernt, wie auf meiner Reise und vor allem in Shanghai.
Dennoch die Weltmetropole Shanghai hat in all dem rasanten Wachstum und Fortschritt der letzten 20 Jahre seine chinesische Herkunft fast komplett vergessen lassen. Sie ist eine gesichtslose Megastadt, die ueberall auf dem Glubus stehen koennte.
Trotz cooler Parties und umgaenglichen Menschen, wollten wir weiter. Und so undefiniert der Plan „Weiter“ auch war, so schwierig war es irgendwo hin zu gelangen. Des Chinesischen Neujahres wegen hatte komplett China Ferien und 3/4 der Bevoelkerung war unterwegs zu ihren Familien – mit, wie es schien, dem ungefaehr gleichem Ziel wie wir: Sueden. Alle Zuege waren ueber alle Tage, die man die Tickets im Voraus buchen konnte, komplett ausgebucht; Sitz- wie Stehplaetze. Und zwar fuer jedes Reiseziel, das auch nur in ungefaehrer Kuestenaehe lag. Darauf hatten wir natuerlich nicht geachtet. Aber irgendwie musste es weiter gehen. So ging es mit einem der ueberproportional vielen Zuege nach Hangzhou und von da aus mit dem Bus weiter nach Taiping. Ein ansehnlicher Ort mit einem vielversprechenden Ziel: Dem Huangshan – Gelbes Gebirge. Auch der Lonely Planet garantierte schoene Aussichten und zaehlte das Gebirge zu den fuenf schoensten Sehenswuerdigkeiten Chinas. Keine Frage, dass wir jede und vor allem diese Chance auf Natur mitnahmen. Am 04.02. machten wir uns bei Nieselregen auf, die 15 km lange Route von Stufen zu bezwingen. Alt und gebrechlich wie wir sind, hatten wir es mit den Knien, dem Ruecken, der eingewachsene Zaehnagel stoert sowieso schon seit Jahren, das Schuehwerk war auch das voellig falsche. Ausdauertechnisch waere es ohne die Gebrechen gar kein Problem gewesen. Kurz; der Aufstieg gestaltete sich schwieriger als geahnt. Trotzdem die Illiosion auf malerische Aussichten ferchte uns nach oben. Leider hatten der (Niesel-)Regen jedoch fuer ein nebelverhangenes Gebirge gesorgt. Aber die Luft, die Natur, die Anstrengung und auch das Erahnen und Ausmahlen von Waeldern und Bergen, deren Baumkronen und Bergspitzen, die manchmal ueber die Wolken hinaus ragten, hatten ihren eigenen Reiz. So kamen wir nach sechs Stunden dort an, wo uns die Karte hin fuehren sollte. Jetzt hiess es nur noch das Hostel finden. Die Abenddaemmerung hatte schon laengst ihren Anfang gefunden und unsere Karte liess sich nicht mit den aufgestellten Karten vereinbaren. Sinnlos rumwandeln bei dem Nebel im Dunklen mit einer alles und nichts versprechenden Karte schloss sich von selbst aus. Nach kurzer Zeit fanden wir einen Bewohner, der uns fuer eine kleine Aufwandsentschaedigung zum Hostel fuehren wollte.
Der naechste Morgen weckte uns mit prasselndem Regen. Keiner von uns war in irgendeiner Art auf dieses Abenteuer vorbereitet. Wir gaben dem Wetter noch ein paar Minuten sich zu aendern und hatten Glueck.
Der Abstieg sollte nur etwas 2 Stunden dauern. Tatsaechlich brauchten wir noch knapp eine Stunden, um uns in dem Labyrint von Wegen und Stufen zurecht zu finden und auf den richtigen Weg zu den Treppen hinab zu gelangen. Durchgeschwitzt und durchnaesst kamen wir nach fast drei Stunden am Fusse des Berges an. Noch eben etwas kraeftigen, schnellstmoeglich mit dem Bus zurueck ins Hostel und unter die Dusche. Anstrengende aber auch lohnende Tage in der Natur.
Unsere Weiterreise hatten wir vorher auch schon arrangiert. Unser Ziel hiess indess Hainan (, die Karibik Chinas). Da es aber auch von Huangzhou aus keine freien Zuege mehr gab, und fast alle Wege nach Hainan waren ausgebucht. Wir konnten uns nur nach und nach annaehern und als Transport blieb uns nur noch das Angebot zu fliegen. Am 06.02. flogen wir nachts von Huangzhou nach Guangzhou. Von da aus mussten wir vor Ort gucken wie es weiter gehen wuerde. Aber mit dem Flug hatten wir schon mal einen guten Sprung gemacht. Als wir um 01:00 Uhr ankamen galt es weiter zu planen. Nach Hainan waren es noch ca. 400 km. Ein privater Taxifahrer bot sich uns an, als er unser Reiseziel hoerte (fuer einen Preis, der nur knapp hoeher war, als den den wir letztendlich zahlten). Wir hatten jedoch von Bussen erfahren, die direkt nach Hainan fahren wuerden. Am Bus- und Zug-Bahnhof versuchten zwei von uns wiedereinmal nach entsprechenden Zuegen zu fragen, waehrend die anderen zwei erfolgreich Bustickets bekamen. Allerdings fuhr der Bus erst in elf Stunden. Ein Hostel kam jetzt allerdings auch nicht mehr infrage. Wir liessen uns auf einigen Stufen nieder und harrten aus – wie unzaehlige andere Chinesen auch. Das komplette Gelaende vor dem Bahnhof war voll von wartenden Menschen. Auf Stufen, Zeitungen oder ihrem Gepaeck lagen und sassen Frauen, Maenner und ganze Familien. Alle mit dem gleichen Wunsch, bei ihren Familien anzukommen. Mehrere Polizisten, Reinigungskraefte und Zaeune versuchten eine gewisse Ordnung zu wahren. Ein Helferteam spendete Heisswasser fuer Tee, Kaffee und Instantnudeln. Es sah so aus, als haetten dieser Ort ueber mehrere Tage schon hunderttausende von Menschen gesehen und ihnen kurzweilig ein zu Hause geboten. Also hielten auch wir hier aus. Einige Reisende liefen wie kopflose Huehner im Schnellschritt umher mit der Hoffnung, doch noch ein Ticket zu ihrem Ziel zu bekommen. Andere mussten schon seit Tagen hier festgesessen haben. Denn ihre kraftlosen Gesichter verieten, sie hatten schon beinahe jegliche Hoffnung verloren.
Mit neun Stunden des Wartens hatten wir wahrscheinlich auch noch riesiges Glueck. trotzdem waren es neun lange Stunden, die ereignislos und erschoepfend an uns vorbeischlichen. Endlichen konnten wir in den Bus. Es gab zwar keine Dusche, aber ein schmales Bett und den Gedanken an Sonne, Strand und Meer. Nach einer acht-stuendigen Busfahrt und weiteren zwei Stunden auf einer Faehre kamen wir in Haikou, Hainan an. Eine Nacht spaeter ging es in den Sueden nach Sanya. Endlich nach einem so nervenaufreibenden Hin und Her hatten wir es am 08.02. in die Sonne geschafft. Rechtzeitig fuer Chinesisch Neujahr.
Im Hostel lernten wir die naechsten „Laowais“ kennen, die uns spontan mit auf eine Strandparty mitnahmen. Es war genau das richtige Willkommen.
Der naechste Tag barg eine riesiege Ueberraschung fuer uns. Wir hatten nichts grosses unternommen und fanden ermuedet von der Mittagshitze in die Lounge des Hostels ein, in der alles fuer die grosse Ferier vorbereitet wurde. Ganz sicher waren wir uns nicht mehr gewesen, an welchem Tag genau das neue Jahr fuer die Chinesen beginnen wuerde. Allen Anschein nach sollte es am 10.02. sein. Tische wurden zusammen gerueckt und allmaehlich wurden ein leckeres Gerichte nach dem naechsten auf den Tischen plaziert. Einige chinesischen Besucher des Hostels zusammen mit der Familie des Betreibers bereiteten mussten ihre Feier gerade vor bereiten. Und ploetzlich fanden wir uns inmitten unter ihnen wieder; sassen am Tisch zwischen der Familien und Freunde; unterhielten uns, spielten, lachten und machten Spaesse, spielten Gitarre und sangen dazu und auch das Feuerwerk fehlte nicht. Unerwartet waren wir zu einem solch besondern Fest eingeladen wurden und fuehlten uns herzlichst aufgenommen von allen. Es war auf unserer Reise einer der besonderen Abend. Bei all dem was man erlebt hatte, der Terracotta Armee, Shanghai, das Gelbe Gebirge, sind es diese Abende, die eine Reise und einen selber reich an Erfahrungen machen und nachdruecklich in Erinnerung bleiben.
Am naechsten Tag hatten wir uns mit drei Freunden, die es noch vor uns bis Hainan geschafft hatten, an einem abgelegenen Strand verabredet. Strand, wenig Menschen, Sonne, hohe Wellen und die suessesten und saftigsten Fruechte, die man bekommen konnte – was brauchte es mehr zum Leben. Beim Volleyball-Spielen mit drei Italienern blieb der erste Sonnenbrand des Jahres natuerlich nicht aus. Trotzdem konnte man es das pure Leben nennen.
An unserem letzten Tag vor der Abreise wollten wir uns noch ein Stueck des nahegelegenden Regenwaldes ansehen. Zusammen mit einem im Hostel kennen gelernten Chinesen machten wir eine eher ernuechternde Erfahrung. Der Regenwald konnte leider nicht mehr viel unbelassene Natur bieten. Jeder Pfad war perfekt ausgebaut, die Pflanzen beschriftet, alle paar Meter gab es Staende mit Verpflegung und Souvenirs, die meisten Geraeusche kamen vom Band und an Tiere gab es nur noch ein paar ausgestellte Anakondas und zwei angekettete Pfauen, wie einige Papagaien um ein authentisches Photo im Paradis machen zu koennen. Obendrein wurde man durch den Rundkurs von einem Audioguide gefuehrt. Zu bestauenen gab es somit eigentlich viel mehr die Massen an Chinesen, die in Busse hier her gefahren waren und die wunderschoene Natur bewunderten.
Es ist schlichtweg eine Tristesse, wie die Chinesen jede Moeglichkeit nutzen, toristische Ziele anzulegen und fuer alles Eintritt verlangen. Ganz vorne an stand dieser Park, der bis ins kleinste Detail alle Insignien einer kuenstlichen „Natuerlichkeit“ bot, die die Chinesen lieben.
Am 12.02. fuhren wir unseren letzten Etappen entgegen: Den Reisterrassen von Yuyuan und der Tigersprungschlucht. Es lag allerdings noch eine lange Strecke zwischen uns und dem ersten Ziel. In 24,5 Stunden ging es von Sanya aus mit dem Zug zurueck nach Haikou. Von dort aus mit der Fahere ans Festland und dann mit dem Bus nach Nanning und weiter mit einem anderen Bus nach Kunming. Nach einer Nacht der Erholung in Kunmimg fuhren wir mit dem naechsten Bus in acht Stunden dorthin, wo wir am naechsten Morgen um 6 Uhr den Sonnenaufgang ueber den Reisterrassen erleben sollten.
(Die Reisterrassen werden im Winter mit Wasser geflutet und zeichenen daher ein um so schoeneres Bild von sich im Glanz der Sonne.)
Mit einem Kleinbus und einer weiteren Eintrisskarte wurden wir zu einer Aussichtsplattform gefahren auf der bereits schon hunderte Chineses mit dutzenden high-tech Kameras standen um den perfekten Moment aufzunehmen. Wenige Bilder mit meiner bescheidenen Digitalkamera (, von der ich schon dachte, sie sei gut) fuer zu Hause reichten mir. Ein Freund sah es aehnlich. Doch Geniessen und Erleben gestalltete sich schwer mit mehreren Kameras vor der eigenen Linse. Es gab kaum einen Platz, wo man ungestoert das Lichspiel und die Spiegelung der Wolken auf den Wasseroberflaeschen der Reisterrassen; die Sonne, die sich nach und nach hinter den Bergen hervorschob und die ersten Wolkefetzen mit ihren Strahlen einfing; einen eigentlich ganz normalen Morgen in der Natur einfach nur beobachten und wirken lassen konnte. Anschliessend fuhren wir noch zu denen und jenen Reisterrassen, die allein durch ihre unbefreiten Besucher auf der Suche nach dem Perfekten Bild keinen Spass mehr machten. Es war ein schon fast erschreckendes Bild wie ein Chinese nach dem anderem im Laufschritt mit teilweise zwei Kameras um den Hals und mehreren Objektivem im Koffer hinter sich von einem zum naechsten Ort hechtete, um zu Hause von jeden Terasse berichten zu koennen und ein Photo aus jedem Winkel zeigen zu koennen.
Dabei gab es neben den Reisterrassen noch so viel mehr zu sehen. Denn sie waren in einem Gebirge von mehreren Doerfern umgeben und so hoch, dass die Wolkendecke die Doerfer von unten langsam verschluckten.
Diese Gegend ist, abgeshen von all den zwanghaften Touristen, zweifelsohne eine der charmvollsten Gegenden, die ich je gesehen habe!
Unser Fahrer kutschierte uns von Plattform zu Plattform und ging natuerlich davon aus, dass wir genau das auch wollten. Allerdings hatten wir nach drei Stunden genug erlebt und machten uns auf den Weg zurueck. Ueber eine anderen Strecke und mit einem Mal Umsteigen brachte uns der Bus in 12 Stunden wieder nach Kunming. Wir wollten noch am selben Morgen weiter zu der Tigersprungschlucht, so dass wir in vier Stunden schnellstmoeglich in unser Hostel fuhren, wo wir zuvor unsere Sachen gelassen hatten, duschten, uns umzogen, das noetigstes fuer zwei Tage ohne Rucksack zusammen rafften und uns auf zum naechsten Bus machten. Am 16.02. fuhren wir also von Kunming zu erst nach Lijiang, um von dort aus am naechsten Tag in die nahe gelegende Schlucht zu touren.
Leider hatte wir auf der Zielgeraden unserer langen Reise kaum noch Elan gezeigt und uns zu sehr auf unsere hauptsaechlichen Ziele versteift. Denn Lijiang mit seiner eindruecklich Altstadt waere es allein wert gewesen, laenger zu bleiben. Aber in China laeuft man so oder so nie aus an interessanten und lohnenswerten Orten.
Den Abend verbrachten wir in der viel besuchten Altstadt zwischen Essenstaenden und einem Trommelladen, in dem wir schnell als Attraktion selber ausgemacht wurden.
Ein angenehm ruhiger Abend nach einer so hektischen Anreise.
Gespannt auf die Natur und einem absehbaren Ende machten wir uns am 17.02. gestaerkt auf in die letzte Etappe. Einer der letzte Male wuerden wir mit einem Bus fahren.
Im Busbahnhof lernten wir eine 30 jaehrige quirlige, nette Chinesin kennen, mit der wir uns zusammenschliessen durften.
Die Tiegersprungschlucht ist wie die Reisterrassen einer der Dinge, die man in China gesehen haben sollte, empfiehlt der Lonely Planet. Trotz teilweise nicht ganz ungefaehrlichen Pfaden, vor denen gewarnt wird, auf den es bereits schon Tote gegeben hat, sei die Schlucht auf Schritt und Tritt ein Genuss. Zudem wirbt der Reisefuehrer mit einer atemberaubenden Kulisse von Schneebedeckten Gipfeln, die 3900 m ueber dem Wasser in die Hoehe schiessen. Und die Beschreibung stand in keinem Detail der Realitaet nach. Ganz im Gegenteil!
Wir hatten uns den 16 km langen Weg auf zwei Tage aufgeteilt. Am ersten Tag wollte wir etwa sechs Stunden wandern und durch den Grossteil der Schlucht gelanghen. Zusammen mit einigen anderen Chinesen und Auslaendern wanderten wir bei durchwachsenem Wetter los. Stramm ueberholten wir unsere und andere Gruppen, waehrend wir aus der Stadt in die Natur eintauchten. Schnell offenbarte uns die lebendige Landschaft kaum vorstellbare Bilder. Die Schlucht war von einem reisendem Fluss geteilt, der sich hier und da verengte, aufstaute und rauschend seine Energie entlud; Auf der anderen Seite zerstachen anfangs noch bewachsene Berge die Wolkenlandschaft, welche zusammen mit der Sonne zwischen den Bergen um den Platz zu kaempfen schienen; In den Haengen unterhalb unseres Pfades tauchte ab und zu ein kleines Dorf mit schweisstreibender Vieh- und Ackerwirtschaft auf; Die Wege verjuengten, endeten im Nichts, nahm man die falsche Abbiegung, schlaengelten sich in kuerzestem Abstand hoch, um anschliessend geradewegs wieder hinunter zu fuehren; Sie wechselten ihre Beschaffenheit und bauten sich ihre ganz natuerlichen Aussichtsplattformen in schwindelerregender Hoehe. Trotz keuchendem Atem, Wind und Wetter war diese Natur so einmalig wie beeindrucken. Keiner bereute all die Anstrengung oder dachte gar ans Umdrehen.
Nach sechs Stunden kamen wir wie geplant im Hostel an und tauten in den Dusche auf.
Zusammen mit einem Esthen und einem Ukrainer liessen wir den Abend bei einem gemeinsamen Essen und Kartenspiel zu Ende gehen.
Der zweite Tag offenbarte uns leider wieder eine Menge Regen. Auf einem weitaus gefaehrlicherem Pfad bahnten wir uns den Weg ins Tal. Der Regen machte den manchmal viel zu engen Trampelpfad rutschig und peitschte gleichsam den auf dem Weg befindlichen Wasserfall an. Zwei Stunden spaeter hatten wir es geschafft. Das Tal war erreicht. Wir waermten uns kurz in einem Hostel auf, bevor wir den Weg runter zum Fluss wagten. Der Tage vorher bot schon einige unangenehme Stellen fuer mich als nicht ganz schwindelfreie Person. Aber diese steinige Route runter zum Fluss wusste diese Stellen zu ueberbieten. Knapp 40 Minuten dauerte es und wir standen auf riesigen Felsbrocken und guckten in den reiserischen Fluss. Das gewaltige Blau stuerzte wenige Meter hinab und fauchte in die Hoehe. Eine voellig unkontrollierte und unkontrollierbare Masse, die sich seinen ziellosen Weg mit jeder Macht suchte und alles und jeden auf mitnahm. Es war ein Spektakel sondergleichen, das die Natur uns hier bot. Langen blieben wir bei dem Getoese sitzen und starrten gedankenverloren in den Fluss.
Etwas laenger dauerte der Aufstieg wiederum. Oben angekommen erwartete uns nach einigen Stunden der Bus zurueck nach Lijiang. Kraftlos freuten wir uns noch einen Abend in Lijiang verbringen zu koennen, den wir begleitet von drei Chinesen aus unserem Hostel in der Altstadt verbrachten.
Am 19.02. fuhren wir mit dem Bus zurueck nach Kunming. Von dort aus sollte unser Flieger am folgenden Tag nach Lanzhou gehen. Auch hier lernten wir noch einmal eine Albanerin, US-Amerikaner, und einen Finnen kennen mit denen wir zum Abschluss unserer Reise zusammen essen gingen.
Endlich ging es auf den Heimweg. Einen Monat lang aus einem 18 Kilogramm schweren Rucksack zu leben, machte sich bei allen bemerkbar. Man freute sich auf die eigene Dusche, das eigene Bett, auf die Waschmaschine und das Kochen. Es wurde Zeit wieder nach Hause zu kommen und auch wieder etwas zu tun zu haben.
Ich bin nun seid einer Woche wieder in meinem Apartment in Jiuquan und habe auch schon die erste Woche Unterrichten hinter mir. Es geht ins zweite Semester und langsam damit dem Ende entgegen, auch wenn es noch vier Monate sind.
In den letzten Wochen habe ich einige Mails von denjenigen Freiwilligen aus meiner Organisation erhalten, die sich fuer ein halbes Jahr im Ausland beworben hatten. Vor einem Jahr erst sehe ich uns noch auf einem der drei Auswahlseminare sitzen und uns ueber unsere Laenderentscheide, die Projekte und die damit verbundenen Sorgen unterhalten. Es geht alles rasant schnell.
Ich freue mich aber auf das zweite Semester und bin gespannt, welche Abenteuer es mit sich bringt.
Viele herzliche Gruesse
Leon J. Reuss










Reiseroute



Reiseroute 2.

Terracotta Armee



Terracotta Armee 2.


Muslimisches Viertel, Xian

Shanghai

Huangshan - Gelbes Gebirge

Reisterrassen




Reisterrassen 2.







Tigersprungschlucht(v.l.: Leon, chinesische Freundin, Arian, Lasse)




Tigersprungschlucht 2.

Tigersprungschlucht 3.



Tigersprungschlucht 4.




Tigersprungschlucht 5.

Tiegersprungschlucht 6.

Weihnachten und Silvester

Wie ich im vorherigen Bericht schon angedeutete, bekam ich Besuch ueber Weihnachten und Silveste: Meine Freundin, ein Freund und seine Freundin. Am 22.12 holte ich sie vom Flughafen ab. Es war ein unwirkliches Gefuehl, so vertraute Gesichter ploetzlich hier bei mir am anderen Ende der Welt zu sehen.
Lange blieb ihnen allerdings nicht um sich auszuruhen. Ein Weihnachtsbaum musste noch gekauft werden und ein paar Christbaumkugeln fuer die Dekoration. Am 24. war die Wohnung voll ausgeschmueckt mit Lichterketten, Kerzen, einem Plastik-Weihnachtsbaum, geschmueckt mit Lametta, Christbaumkugeln und solche die welche sein wollten, unter ihm ein Berg Geschenke, Marzipan, Plaetzchen und Lebkuchen aus Deutschland, die ihren Duft nach Weihnachten verbreiteten (fand ich zumindest) und sogar an ein Lebkuchenhaus wurde gedacht. Ein bisschen Schnee fehlte vielleicht, aber trotzdem ueberkam einem das sehnsuechtige Gefuehl nach dem warmen und gutriechenden vier Waenden, wenn man draussen in der Kaelte stand. Nicht zu vergessen bleibt die wohlige Atmosphaere des Zusammensein. Alles was ein richtiges Weihnachten ausmacht, wurde mir geboten. Ich haette es mir nicht besser vorstellen koennen!
Abends hatten wir uns zusammen mit zwei anderen Freunden (Lasse und David) zum Kochen und fuer die Bescherung verabredet. Lange ueberlegten wir hin und her, was wir kochen koennten. Irgendetwas westliches sollte es sein. Da wir keinen Backofen hatten, war Ente schnell ausgeschlossen und die Auswahl limitiert. Schlussendlich mussten wir uns zwischen folgendem entscheiden: Curry-Chicken-Pfanne, Spaghetti Bolognese, oder selbst gemachte Burger. Es wurde die Burger. Gegen gut gemachte Buletten kann man auch nichts einwenden.
Vorher gelang es den Reussens noch eine Skype-Konferenz einzurichten. Und eines Durfte natuerlich nicht Fehlen: Mit meinem Besuch sangen wir alle zusammen im drei teiligen Kanon „Stille Nacht“. Die einen aus Neuseeland, die anderen aus Deutschland und wir aus China.
Anschliessend gab es die Bescherung mit vielen vielen Geschenken. Und um den Abend gebuehrend abzuschliessen, entschlossen wir uns fuer den einmaligen Film: Lissi und der wilde Kaiser.
Ein Kirchenbesuch abends hatten wir leider nicht geschafft, wenn auch anfangs geplant, aber die Predigt meines Vaters gab uns den Segen.
Es war ein sehr besonderes Weihnachten fuer alle und ein wirklich schoenes!

Silvester war ein aehnlich schoener Abend. Gemeinsam mit Lasse gingen wir erst Essen und guckten anschliesend „Dinner for One“. (Eines meiner Weihnachtsgeschenk von zu Hause.) Kurz vor 00:00 Uhr trafen sich alle Volontaere aus Jiuquan vor einer Bar um in das neue Jahr reinzufeiern. Es gab zwar nicht die ueberall bekannten China-Boeller, aber dafuer andere unterhaltsame Feuerwerke. Unter anderem 5000 aufgerollte uebergrossen Piepmatcher, die alles im naeheren Umkreis verwuesteten oder es zumindest so aussehen liessen. Dazu noch ein paar Bengalische-Lichter und auch ein paar Feuerwerk-Batterien.


Wir hatten wirklich eine gute Zeit und zwei schoene Feste! Ich kann mich nur unendlich gluecklich schaetzen, dass ich solche einmaligen Freunde habe, die so viele Muehen und auch Kosten auf sich nehmen, um mich zu sehen und mit mir diese Abende zu verbringen!

Ich hoffe, Sie hatten/ ihr hattet auch besinnliche Weihnachten und sind/seid gut ins neue Jahr gekommen.

Ich habe jetzt bis Ende Februar Ferien und werden versuchen der Kaelte im Norden zu entfliehen und etwas im Sueden rumreisen.

Bis bald
Mit besten Gruessen
Leon

Mein Wohnzimmer zu Weihnachten



Unser Weihnachtsessen